Newsletter April 2020


Desirée Grießhaber-Vetter,

Metzgerin und Inhaberin der Bio Metzgerei Grießhaber, Mössingen-Öschingen

„Sie und das Krankenhaus, Ihr müsst ganz bis zum Schluss!“

Ausspruch des Tübinger Veterinärbeamten am Telefon, mit dem unsere Metzgerin Desirée Grießhaber in täglicher Absprache steht.

Wenn es am Anfang auch noch überhaupt nicht klar war, ob die kleinen Betriebe auf Dauer weiterarbeiten dürfen: In einem Riesentempo mussten doch die sich täglich ändernden Hygienemaßnamen umgesetzt werden. Konnte am Freitag noch der Imbiss in der Metzgerei angeboten werden, wurde dies am Samstag schon verboten. Die persönlichen und herzlichen Kundenkontakte – „Kunden, mit denen man auch schon mal eine Tasse Kaffee trinkt“ – wurden schnell auf 1,50 Meter Abstand gebracht. Die Hygieneauflagen im Metzgereihandwerk sind zum Glück grundsätzlich schon extrem hoch. Da musste nur wenig nachgebessert werden.

Doch Desirée merkt an: Auch wenn der körperliche Abstand gewahrt bleiben muss, das Interesse und die Dankbarkeit der Kunden, dass die Metzgerei wie gewohnt in ihrer engagierten und qualitätsvollen Weise weiterarbeitet, ist mehr gewachsen denn je. Plötzlich ist das Selbstverständliche wertvoll und die Frage „Wie geht es Ihnen, schaffen Sie das?“ wechselt sehr oft über den Ladentisch.

Und Grießhabers mit ihren 18 Mitarbeitern schaffen das! Die Mitarbeiter sind froh, dass sie nicht die Kurzarbeit betrifft, und sie sind hochmotiviert! Plötzlich finden sich Neukunden im Laden ein – hatte der ein oder andere etwa Zeit, über seine Konsumgewohnheiten nachzudenken? Und die Stammkunden müssen zwar nicht hamstern, aber doch für ein volleres Haus einkaufen. Denn plötzlich sind die Kinder wieder da, die vorher im Studium waren oder der Mann arbeitet zuhause im Home Office.

Und während der bisherige Großhändler mit Biokäse für die Wurstveredelung, mit Biomehl und dem Bioöl für die Rinderwurst in Lieferschwierigkeiten kommt, trägt unser regionales Netzwerk: Der Biomarkt B2 aus nächster Nachbarschaft kann die Lieferengpässe sofort ausgleichen!

Sieht man Desirée in ihrer engagierten Art voller Tatkraft auf Veränderungen zugehen, glaubt man auch an die positiven Seiten dieser Krise!

Alexander Thierfelder,

Demeter-Gärtner und Werkstattleiter in der Dorfgemeinschaft Tennental

„Und der Himmel ist blau ... keine Kondensstreifen mehr!“

Alexander Thierfelder aus der Dorfgemeinschaft Tennental, 30 km vom Stuttgarter Flughafen entfernt.

Strahlender Frühlingssonnenschein in einem traumhaften Ambiente. Ein Dorf, das an Bullerbü einer vergangenen Kindheit erinnert. Der Hofladen boomt. Die Käserei kommt mit der Herstellung nicht hinterher. Die eigene Milchmenge ist der hohen Nachfrage nicht gewachsen. Neue Kunden zeigen Interesse und kommen auf den Hof. Plötzlich ist Zeit da. Zeit für das Selbermachen. Gewohnheiten und Lebensstile ändern sich.

Hinter dem ersten Eindruck von wachsendem Interesse und boomender Nachfrage im Tennental steht Fleiß, viel Fleiß: Was bedeutet es, wenn plötzlich für 145 Menschen mit Assistenzbedarf – viele Menschen aus hohen Risikogruppen – die Ausgangssperre verhängt wird, Besuchsverbote von Eltern und Angehörigen ausgesprochen werden? Für Menschen, die solche Maßnahmen schwer oder gar nicht nachvollziehen oder verstehen können? Für Menschen, die sonst selbstbewusst und selbstverständlich ihren Beitrag für das Gemeinwohl bei den Tieren im Stall, in der Werkstatt an den Maschinen oder in Laden, Käserei und Einmachküche leisten?

Und wie ist diese Zweiklassengesellschaft zu managen: 200 Mitarbeiter, die noch (fast) alle Bewegungsfreiheiten haben und 145 Menschen mit Assistenzbedarf, die in ihren Grundrechten – zu ihrem eigenen Schutz (?) – eingeschränkt werden? Und diese zwei Gruppen zum Teil miteinander unter einem Dach leben? Eine unglaubliche Logistik, die in jeweiligen Übernachtverordnungen zu erstellen ist, die aber doch zutiefst menschenwürdig sein muss, denn das gehört zu den Grundanliegen dieser Dorfgemeinschaft! Klar ist, dass die Dorfgemeinschaft als „Einrichtung der Eingliederungshilfe“ alle öffentlichen Vorschriften eins zu eins umsetzen wird. Und doch gibt es hier Lösungen, die gesetzestreu sind und dennoch das Leben erleichtern oder besser: erst ermöglichen!

Durch die besondere Lage der Dorfgemeinschaft auf dem Land, zwischen Wiesen und Feldern, dürfen die Wohngruppen noch miteinander spazieren gehen, natürlich nur in ihrer Hauseinheit. Und auch zum Nichtstun ist niemand verdammt, denn fest zugewiesene Werkstattbereiche dürfen für die Tagesstruktur weiter benutzt werden.

Laden, Gärtnerei und Landwirtschaft muss jetzt nur von den Mitarbeitern alleine versorgt werden. Keine Menschen mit Assistenzbedarf in diesen offenen Arbeitsbereichen! Da wird sich manche Kuh, manches Pferd, manches Huhn und auch mancher Kunde nach seinem Menschenfreund sehnen!

Nein, Alltag ist nicht mehr im Tennental. Es ist ruhig geworden auf den kleinen Dorfplätzen. Und doch: Ausnahmesituation lieber hier als an jedem anderen Ort!

Ein klatschendes Danke an alle Tennentalmitarbeiter*innen, die das so ermöglichen!

 

Anke und Manfred Kränzler,

Schönberghof, Demeter Landwirtschaft in Rosenfeld-Isingen

Ein Hofbericht der Bäuerin Anke Kränzler.

Corona? Zunächst spürten wir es an den abgesagten Terminen: Veranstaltungen, die wir organisiert oder in anderer Weise aktiv mit vorbereitet hatten, Fortbildungen, die storniert werden mussten.

Wunderbare Freiräume taten sich auf. Ganz im Hier und Jetzt sein. Plötzlich Zeit für Abendspaziergänge. Den klaren Abendhimmel aufsaugen. Versuche, diesen Anblick im Herzen zu speichern. Die Blütenpracht! Und auch die Schwalben sind wieder hier, sehr zu unserer Freude! Immer mehr wurde unser Schönberghof zu einer Insel. Die Mitarbeiter leben ja auf dem Betrieb, Besuche wurden verschoben.

Im landwirtschaftlichen Jahreslauf ist jetzt die Vorbereitung und Aussaat des Getreides auf den Feldern nötig und die Pflege des bereits Gesäten. Alle halfen mit, arbeiteten Tag und (oft auch bis in die) Nacht. Der besorgte Blick auf den Wetterbericht gehört zum Tagesprogramm. Bald zeigte sich, dass der angekündigte Regen immer wieder verschoben wurde und schließlich ganz ausblieb. Dann Fröste in der Nacht. Die Auswirkungen sahen wir rasch am Getreide. Die Pflanzen, die bereits über Winter gewachsen waren, hatten zusätzlich zum Stress durch die Trockenheit auch noch mit dem Frost zu kämpfen. Schon wieder ein schwieriges Jahr?!

Auf dem Acker muss rasch gehandelt werden. Dem wunderbaren Getreide zusehen, wie es jämmerlich verkümmert, ist nicht unsere Art. Es wurden alle Register gezogen, die den Pflanzen zur Stärkung helfen. Ein wesentliches Element finden wir in dem, was wir sowieso an unserem Hof seit bald 30 Jahren pflegen: Im biologisch-dynamischen Landbau bringen wir das Spritzpräparat Horn-Mist aus. Es wird auf dem Hof hergestellt, gerührt und dann auf die Felder ausgebracht. Um noch viel mehr davon ausbringen zu können, haben wir nach langen Diskussionen in eine große Spritze investiert, die exakt aussieht, wie die unserer konventionellen Kollegen. Doch mit Hilfe dieser Technik sind wir nun in der Lage große Mengen der Präparate auszubringen. Wir haben die Spritze mit unserem Logo versehen und einem Hinweis auf unsere Homepage. Wer mag kann sich hier informieren: http://www.schoenberghof.de.

Auch Kompost-Tee wird mit der Spritze ausgebracht. Dieser wird in einer Art „Brauverfahren“ auf unserem Betrieb hergestellt. Somit können wir alles, was wir unseren Pflanzen und Böden zugutekommen lassen, auch selbst trinken. Naja, könnten ... J Die Pflanzen haben sich jedenfalls sofort bedankt und zeigen, dass wir das Richtige getan haben. Aber jetzt brauchen wir trotzdem dringend Regen!!

Die Tiere wollten endlich auf die Weide! Nachdem also die Weidezäune in Ordnung gebracht worden waren, der ersehnte Weidegang! Was für ein Fest! Die Tiere rennen, checken die Größe der Weide und ihre Grenzen. Die kleinen, unerfahrenen Kälber müssen das leider mit einem schmerzhaften Schnuppern am Elektrozaun selbst erfahren. Neuerdings gehört zum Weidegang leider auch ein „Staubbad“. Viel zu wenig Futter ist gewachsen! Für den Moment ist es genug, doch die nächsten Wochen werden über die Menge und Qualität des Futters für ein ganzes Jahr entscheiden.

Ach ja, a apropos Corona: Neulich wurde ein Kälbchen geboren. Stellt euch vor: Es hat ein weißes C auf der braunen Stirn! Die Namensvorschläge lagen bei Corona oder Covid. Wir haben uns dann aber doch für Cosima entschieden.


Hubert Berger, Bioland-Bäckerei Berger in Reutlingen

„Seid froh, Ihr dürft arbeiten!“

Nein, der Mensch ist nicht von Natur aus faul: Arbeiten wird zur Zeit als großes Privileg empfunden! Trotz mancher unterschwelliger Corona-Ängste: Die etwa 70 Voll- und Teilzeitmitarbeiter der Vollkornbäckerei Berger in Reutlingen ziehen an einem Strang! Auch wenn sich neuerdings einige Bäckereimitarbeiter die Nächte um die Ohren schlagen müssen, was den jugendlicheren Zeitgenossen in der Regel leichter fällt als den älteren. Die Bergers haben jetzt einen Zweischichtbetrieb für die Backstube eingerichtet. Sie heizen nun nachts schon von 20 Uhr bis 3.30 Uhr die Öfen an und in der zweiten Schicht von 4 bis 12 Uhr am Morgen. Und das alles für das täglich frische Vollkornbrot und die warmen Biosemmeln!

Und noch eine Corona-Neuerung: Auf Bestellung bringt jetzt ein Fahrradkurier die frischen Backwaren zu den Kunden! Lieferdienst aus der Bäckerei, das gab es bisher noch nicht und ist auch mehr ein freundlicher Kundenservice denn ein lukratives Geschäftsmodell für die Zukunft. Die Belohnungen dafür sind eher immaterieller Natur, z.B. die nette Postkarte, auf der ein 92jähriger Reutlinger mit seiner 94jährigen Gattin schreibt: Lieber Herr Berger, wir gehören zur Risikogruppe. Wir danken Ihnen!

Fünf Filialen hat das traditionsreiche Familienunternehmen, das Hubert Berger nach eigenen Lehr- und Wanderjahren von seinem vollkornengagierten Vater übernommen hat. Zwei Filialen liegen in bester Innenstadtlage. Aber wie sah die Innenstadt von Reutlingen in den letzten vier Wochen aus? Gähnende Leere! Alle Geschäfte – außer die „systemrelevanten“ – waren geschlossen! Das war bei Bergers zu spüren und auch, dass mancher Kunde doch meinte, dass ein schnell gegriffenes Brot aus dem Supermarktregal die gute Berger‘sche Handwerkstradition ersetzen könnte. Und das in den kleinen Bäckereien zunehmende Café-Geschäft war natürlich auch komplett eingestellt.

Trotz allem, Brot wird immer gebraucht und gutes Brot ist seltener denn je und wird von einem treuen Kundenstamm geschätzt. So gab es insgesamt nur kleinere Umsatzeinbußen. An manchen Vormittagen zeigten sich zudem Bilder, die sich bei Bergers ins Gedächtnis einprägen werden und die Wichtigkeit des Lebensmittelhandwerks unterstreichen: Äußerst disziplinierte Menschen im 1,50-Meter-Abstand, die sich in langer Schlange vor den Bäckereien anstellen!

Zum Schluss etwas Wissenswertes: Backwaren sind schlechte Vektoren (Überträger) von Keimen und Viren! Auch wenn die Verkäufer*innen bei Bergers mit Plastikschläuchen die Brötchen in die Tüte befördern: Der Verzehr ist vollkommen ungefährlich!

Sabine Franz,

Geschäftsführerin des B2 Biomarkts, Balingen und Rottweil

Von Hefeschlangenbildung und Möhrenhackenhelfern

Der B2 Biomarkt hat sich mithilfe eines regionalen Textilherstellers tatsächlich vermummt - zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Freundlichkeit hinter einem Mundschutz, geht das? In dem neu errungenen Corona-Alltag, in dem hohe Flexibilität und stündliche Anpassung gefragt sind, wäre es nicht verwunderlich, wenn das Lächeln zuweilen einfriert. Aber nein: Die Motivation der etwa 140 Voll- und Teilzeitkräfte des B2 Biomarkts bleibt hoch. Auch wenn manchmal die Nerven blank liegen.

Denn die neue Corona orientierte Logistik bleibt eine Riesenherausforderung: Das Bistro wird stark reduziert, nur wenige Tagesessen werden ausgegeben. Spülkräfte und Gemüseschnippler werden schnell zu Abokistenpackern umgeschult. Die Nachfrage nach dem Lieferservice verdoppelt sich in wenigen Tagen, Tendenz steigend. Das bedeutet: Mehr Platz für den Verpackungsablauf und die Warenlagerung, mehr Packer, mehr Fahrer, mehr Autos, am besten mit Kühlung. Und das alles sehr schnell!

Die früheren 10 Packer der Abo-Kisten wachsen jetzt an zu einer illustren Truppe von 22 Packern, verschiedene Nationalitäten, verschiedene Bildungsschichten, vom Lehrling zum Studenten, von der schwäbischen Hausfrau zum ehemaligen Flüchtling aus Gambia.

Büromitarbeiter arbeiten im Homeoffice – hier im ländlichen Raum oft mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn die Netzkapazitäten sind zum Teil völlig überlastet. Nur die Köche müssen leider vorrübergehend in den Zwangsurlaub geschickt werden.

Und dann noch die Sache mit dem Klopapier und der Hefe. Ja, jetzt gibt es sie wieder großzügig, die Mangelware Hefe, so wie früher: An der Käsetheke wird von einem bombastischen Stück die mundgerechte Portion nach Bedarf für den Kunden abgeschnitten. Das führt immer wieder zu einer „Hefeschlangenbildung“ vor der Theke. Wir werden uns noch lange darin erinnern, wie wichtig Klopapier und Hefe in Krisenzeiten sind!

Aber es ist nicht ganz richtig, dass es weiterhin alles immer und zu jeder Zeit problemlos geben kann. Es gibt eindeutig Lieferengpässe. Nur ein Beispiel: Von der wöchentlichen Routinebestellung bei einem langjährigen Biogroßhändler werden von 450 bestellten Produkten nur 150 Artikel ausgeliefert. Auch wenn mit Gründungen wie Xäls eine Gegenbewegung in Gang gesetzt wird: Unser Lebensmittelhandel ist derzeit auch im Biobereich kein Regionalhandel. Der Kunde möchte die Paprika aus Italien oder die Mango aus Übersee. Wie soll das mit den heruntergefahrenen Kapazitäten der verschiedenen Länder weiter problemlos gehen? Da sind manchmal auch beim Verbraucher Flexibilität und eine Umstellung der eigenen Gewohnheiten gefragt. Regionale Produkte sind am einfachsten zu haben. Und zum Glück gibt es da ja auch noch die B2-eigene Gärtnerei, die jetzt schon den eigenen Salat anbieten kann.

Und wie geht es den Möhren?

Mit sonnigen Tagen ohne Ende begrüßen wir in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Frühling! Schon in ihrem leuchtenden Aufgang bestätigt uns die Sonne täglich, dass sich der Gang der Natur auch von Coronaviren nicht so leicht aus der Fassung bringen lässt. Aber da gibt es eine Kehrseite: Der Erdboden zeigt eine verheerende Trockenheit, noch verstärkt durch den starken Wind. Der Winter war sehr mild und die übliche Frostgare des Bodens blieb aus, daher ist der tiefere Untergrund verdichtet und matschig.

In der B2 Gärtnerei musste der Anbauplan dieses Jahr schon umgestellt werden: Für die Möhrenaussaat war es auf vielen Feldern lange zu trocken. Und auf einigen, sonst gut geeigneten Feldern wird überhaupt keine Möhrenaussaat mehr möglich sein. Allerdings ist noch unklar, wer dann die jung sprießenden Möhrenpflanzen behacken wird. Die drei bewährten rumänischen Mitarbeiter des letzten Jahres müssten eingeflogen werden und dann auf begrenztem Raum unter separierten Bedingungen arbeiten. Das erscheint im Moment zu teuer. Es wird auf eine andere Lösung gesetzt: Gibt es in diesem Jahr genug Freiwillige in der Region, die bereit sind, Landwirten und Gärtnern zu helfen? Das wird spannend! Eine Anmeldung über Internetplattformen ist möglich! ® HIER WARTE ICH NOCH AUF EINEN LINK VON MARIA!

Susanne und Joachim Schneider,

Hofgut Martinsberg, Bioland-Hühnerhaltung und -Ackerbau, Rottenburg

Großes Aufatmen auf dem Martinsberg: Als „systemrelevanter“ Betrieb darf weiter gearbeitet werden! Das Futtergetreide wird ausgesät. Die Felder werden gewalzt. Die Hühner werden gefüttert und sie gackern und legen munter weiter. Der Eierverkauf boomt – auch schon weit vor Ostern! Denn wie lange nicht mehr werden heimischer Herd und Familie mit Kochen und Backen wiederentdeckt!

Auch wenn die Arbeitsfelder, sei es im Büro, im Stall, in der Verpackung, im Verkauf oder auf dem Feld, alle neu strukturiert werden mussten, die gut zwanzig Mitarbeiter können gehalten werden!

Feste, konstant arbeitende Teams wurden gebildet und streng voneinander getrennt, so dass bei potentiellen Quarantänemaßnahmen nicht zu viele Mitarbeiter ausfallen:

Separierung im Büro in Einzelschichten und Home Office. Separierung im Stall in Schichtwechseln. Teamseparierung in der Verpackung. Nur die Hühner durften in ihren mobilen Freilandgehegen auch eng zusammen picken und gackern! Zum Glück lief alles bisher glatt! Keine Ausfälle!

Der Martinsberg produziert die vielen Komponenten seines Hühnerfutters weitgehend autark. Von den etwa zwölf Bestandteilen des ausgewogenen Futters kommt nur eines aus einer österreichischen Spezialmühle. Und just dieses konnte nicht mehr geliefert werden. Auch die Österreicher wollten „Haus und Hof“ in diesen Zeiten zusammen halten. Mit Geschick konnte doch noch vollwertiger Ersatz gefunden werden.

„Ich bin doch der Nachbar vom Chef...“
Letzter Joker eines Kunden beim Hofabverkauf, um noch an eigene Ostereier zu kommen.

Es gibt auch erfreuliche Lichtblicke: Eine sehr engagierte und nähbegabte Mitarbeiterin versorgt den ganzen Betrieb mit Mundschutzmasken, die nun in Büro und Verpackung dauerhaft zum Einsatz kommen. Und durch die Schließung von Unis und Schulen kam Zuwachs von ganz neuer Seite. Erwachsene Mitarbeiterkinder, deren Studium oder Schule gerade ausfielen, wollten sich nützlich machen. So steht neuerdings Joachims Tochter hinter Plexiglasscheiben im Eierverkauf auf dem Hof. Und schlepperbegeisterte Schüler walzen die Felder, um die kostbare Feuchtigkeit im Boden zu konservieren. Denn da gibt es ja noch ein anderes Problem neben Corona: Das Wetter – oder ist es doch eher das Klima? Auf jeden Fall hat die seit Jahren zunehmende Trockenheit in diesem Frühjahr wieder besondere Spuren hinterlassen. Und es gilt, durch möglichst oberflächliche Bodenbearbeitungsmaßnahmen die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Das Kleegras ist schon ausgesät, für das hofeigene Soja und die Maisaussaat fehlt bislang der Regen.

So bleiben neben dem hervorragenden Meistern eines Ausnahmezustands noch viele Zukunftsfragen offen!

 

Michael und Christina Schneider,

Der Marktladen, Tübingen

 
Krasse Zeiten: Da gibt es die Menschen, die ohne Arbeit zuhause sitzen. Und da gibt es die anderen, im Lebensmittelhandel, die arbeiten gerade das Dreifache. Es gibt die Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen, deren Laden bankrott geht oder die mit Kurzarbeitergeld klar kommen müssen. Und die anderen, bei denen das Geschäft boomt.

In den zwei Standorten des Tübinger Marktladens boomt das Geschäft: Bis zu unglaublichen 100 Prozent Umsatzzuwachs an manchen Tagen! Und gleichzeitig natürlich: Arbeit ohne Ende! Die Geschäftsleitung und der rührige Betriebsrat des Marktladens hat von Anfang an schnelle Maßnahmen zum Schutz von Kundschaft und Belegschaft initiiert, und die scheinen sich im Alltag zu bewähren: Eine Morgen- und eine Nachmittagschicht der Mitarbeiter wurde eingerichtet, damit sie sich nicht begegnen und die Regale aufgefüllt werden können. Die dadurch notwendige Änderung der Ladenöffnungszeiten mit zweistündiger Mittagspause wurde von den Kunden problemlos akzeptiert. Die Plexiglas-Abtrennungen an den Kassen waren trotz Plexiglasengpässen bald montiert. Und auch der Mundschutz für die Mitarbeiter wurde von einer kleinen Näherei zeitnah geliefert. Der Marktladen war bestens gerüstet für die neuen Zeiten!

„Wissen Sie, ich kaufe jetzt nur noch bei Ihnen, da ist so eine fröhliche, entspannte Stimmung!“

sagt eine Kundin in Coronazeiten zu Michael Schneider.

Während es normalerweise einen eher kleinen Zustellservice für langjährige Kunden gibt, begann dieser plötzlich zu boomen und die Telefone liefen von Bestellaufträgen heiß. Der Ladenverkauf platzte schon aus den Nähten. Gleichzeitig aber war keine Infrastruktur für den Lieferservice im großen Stil vorhanden. So mussten Michael und Christina Schneider schließlich entscheiden – zum Bedauern sehr vieler Kunden, aber zur Schonung der eigenen Mitarbeiter – den Zustellservice ganz einzustellen.

Lieferengpässe? Ja, natürlich die Hefe und dann noch das Mehl, Klopapier und die eine oder andere Konserve. Wahrscheinlich wird gerade in vielen Familien, deren Kinder zuhause sind, zur Erhaltung der guten Laune besonders viel Pizza gegessen.

Am Ostersamstag durfte Michael Schneider auch mal die Rolle eines „Türstehers“ spielen: Der Laden war so voll, dass schnell gehandelt werden musste. An Michael kam keiner vorbei, bis wieder der rechte Abstand im Verkauf hergestellt werden konnte! Neue Rollen in neuen Zeiten!

Und immer wieder bestätigen die Kunden: Ihr macht das gut! Danke, dass Ihr durchhaltet!